DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR
NEUROWISSENSCHAFTLICHE BEGUTACHTUNG e.V.

AKTUELLE VERANSTALTUNGEN

08. - 09.10.2021 | Mainhaus Stadthotel Frankfurt (ehemals Kolpinghaus), Lange Straße 26, 60311 Frankfurt
15. Refresher-Seminar Neurowissenschaftliche Begutachtung
06. - 07.05.2022 | Karmarschstr. 2., 30159 Hannover
23. DGNB-Jahrestagung
01. - 03.07.2021 | Tagungszentrum Schloss Reisensburg, Günzburg
Intensivseminar Medizinische Begutachtung, Seminarblock 1 in 2021, Günzburg
18. - 20.11.2021 | Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe, Kassel
Intensivseminar Medizinische Begutachtung, Seminarblock 2 in 2021, Kassel
07. - 08.10.2022 | Campus Westend, Kasinogebäude, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt
16. Refresher-Seminar Neurowissenschaftliche Begutachtung

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Aktuelles

Bericht über die 22. Jahrestagung der DGNB

 

 

  

Trauma und chronischer Schmerz

 

In der Zeit vom 07. bis 08.Mai 2021 fand im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf die 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung, DGNB, statt. Gastgeber waren in diesem Jahr Dr. Hildegard Schain, Vorstandsmitglied der DGNB sowie der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und Beiratsmitglied der DGNB, Dr. Frank Bergmann.

In der als Hybridveranstaltung durchgeführten Veranstaltung begrüßten sie unter den rund 180 digital teilnehmenden Gästen auch zahlreiche Richterinnen und Richter der Sozialgerichte bzw. des Landessozialgerichtes NRW sowie Vertreter der Berufsgenossenschaften.

In seiner Begrüßung ging Dr. Bergmann darauf ein, dass der DGNB neben Ausbildung und Weiterbildung vor allem auch Austausch und Kommunikation ein besonderes Anliegen ist, und zwar zwischen den neurologischen, neurochirurgischen und psychiatrischen Gutachtern ebenso wie mit den Gutachtern der benachbarten Fachgebieten, - ferner auch mit den Gerichten bzw. sonstigen Auftraggebern:  „Nur wenn wir wechselseitig Haltungen, Erwartungen, Ansprüche und die Weitentwicklungen in der Rechtsprechung, in den sozialrechtlichen Rahmenbedingungen und den neuen medizinischen Erkenntnissen miteinander austauschen, können wir kontinuierlich die Qualität unserer Expertisen weiterentwickeln.“

Die Jahrestagung war bereits geplant im Jahr 2020 als Präsenztagung, musste aber aufgrund des Corona bedingten lockdown verschoben werden. Anwesend waren aktuell lediglich die Veranstalter, Vorstandsmitglieder der DGNB und die meisten Referenten – allesamt täglich morgens getestet und die meisten mindestens einmal geimpft.

Die Themen Trauma und Schmerz standen im Mittelpunkt der aktuellen Jahrestagung.

Begutachtungen von Trauma und Schmerz gewinnen zunehmend an Bedeutung, so die Gastgeber,  zudem wird eine deutliche Zunahme der Diagnose traumaassoziierter Störungen erlebt, dies weniger im gutachtlichen Umfeld, vielmehr im kurativen Sektor. Wichtiger Fokus sei auch  die schwierige Einschätzung bei Schmerzzuständen, die höchste Ansprüche vor allem an die Beschwerdenvalidierung stelle.

Organische Schädigung und psychische Überlagerung bis hin zu mehr oder weniger ausgeprägten Begehrenshaltungen - nicht nur bei Schmerzzuständen eine häufige Melange. Diesen Kontext beschrieb eine klinische Fallvorstellung von Dr. Frau Schain als Einstimmung auf die Tagung.

Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Gründungsmitglied und früherer Vorsitzender der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) thematisierte die Weiterentwicklung und Differenzierung der Kategorisierung von Trauma-Folgestörungen. Unter der Überschrift  „PTBS-Diagnose im Wandel –wie, was, warum?“ ging er detailliert ein auf die Weiterentwicklung der ICD 11 und die Differenzierung zwischen PTBS, komplexer PTBS, Anpassungsstörung und anhaltender Trauerstörung. Zudem verwies er auf die rapide Zunahme der evidenzbasierten Therapien für Trauma-Folgestörungen.

 

Der Leiter des Kompetenz-Centrums für Psychiatrie und Psychotherapie der MDK-Gemeinschaft und des GKV-Spitzenverbandes Dr. Christoph J. Tolzin stellte aktuelle Auswertungen zu Prävalenzen und z. B. Zahlen zu ambulanten Begutachtungen im Gutachterverfahren (VT-Anträge) vor.

Die Frage seines Vortrages „zunehmende Häufigkeit der Diagnose PTBS, höhere Prävalenz oder Artefakt?“ beantwortete er mit durch Zahlen belegtem Anstieg der Prävalenzen traumaassoziierter Störungen, und zwar im ambulanten wie auch im stationären Sektor, nicht zuletzt durch Verbesserung der Diagnostik und Therapie der PTBS, vermehrter Behandlung von PTBS-Patientinnen und PTBS-Patienten, geschärfter Sensibilität für PTBS bei Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten sowie weiteren Angehörigen medizinischer Berufe und auch erhöhter Awareness und Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für Traumafolgen.

In seinem Vortrag „Anforderungen an den psychiatrischen Gutachter“ zog Prof. Harald Dreßing, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, das Fazit, dass eine akribische Exploration aller PTBS Symptome unabdingbar sei. Es müssten alle Symptome erfüllt sein, um eine PTBS zu diagnostizieren. Es genüge nicht, die Kriterien aus dem Manual abzuschreiben, sondern es sei mit Beispielen zu belegen, warum man ein Kriterium als gegeben annehme oder nicht. Selbstbeurteilungsskalen seien zur Diagnose im Gutachten nicht geeignet. Bloße Erinnerungen an ein Trauma seien weder eine Intrusion noch ein Flashback!

In der Behandlungspraxis würden die diagnostischen Kriterien der PTBS oft „schlampig“ gehandhabt. Das führe nicht selten dazu, dass der Behandler eine PTBS therapiere, der Gutachter die Kriterien aber gar nicht feststellen könne.

Aber, so Dreßing: es gebe keine empirischen Belege, dass die Symptomatik einer PTBS häufiger simuliert oder aggraviert werde, als andere psychische Störungen.

 

In seinem Vortrag „welche Erwartungen haben Chirurgen und Neurologen aneinander in der Versorgung von Traumapatienten?“ warb der Unfallchirurg und Leiter der curricularen Fortbildung „medizinische Begutachtung“ der Ärztekammer Nordrhein Dr. Scheele anhand zahlreicher klinischer Beispiele vehement für eine frühe interdisziplinäre Zusammenarbeit von beispielsweise Unfallchirurgen und Neurologen, aber auch Fachärztin für Psychiatrie Psychotherapie bzw. Psychosomatik in der frühen Diagnostik und Behandlung von somatischen Unfallfolgen und traumaassoziierten psychischen Beschwerden.

 Die Fragen der Anforderungen an den psychiatrischen Gutachter und des von ihm erstellten  psychiatrischen Gutachten als Beweismittel im gerichtlichen Verfahren fasste der Richter am Landessozialgericht NRW,  Dr. J.-R. von Renesse in zwölf Thesen zusammen. U.a. benannte er als Schwachstellen in psychiatrischen Begutachtungen die oft ungesicherten Diagnosen, aber auch das Verwischen und nicht Beachten der fundamentalen Unterschiede zwischen einem therapeutischen, kurativen Kontext und einer Begutachtungssituation. Insbesondere die Grundregel der gerichtlichen Beweiserhebung zur Würdigung von Zeugen-und Beteiligtenvorbringen i.S der Nullhypothese  (Urteil des BGH vom 30.7.1999 – 1 StR 618/98 -) werde in vielen psychiatrischen Gutachten missachtet. Nicht zuletzt die Feststellung, dass es ordnungsgemäße Dokumentation der Befunderhebung (Tonband/Wortprotokoll) nicht selten fehle, war Gegenstand intensiver Diskussion unter den Teilnehmern, ebenso wie die kritische Konnotation häufiger eingesetzter Fragebögen und Testverfahren mit „Augenscheinvalidität“.

Den zweiten Tag der Jahrestagung der DGNB am Samstag, den 8.5.2021 eröffnete Herr Prof. Dr. Forsting aus Essen mit einem prägnanten Vortrag über Möglichkeiten und Grenzen radiologischer Befunde bei Schädel-Hirn-Traumata. Anhand von vielen praktischen Beispielen arbeitete er heraus, dass Suszeptibilitätsgewichtete Bildgebung als MR -Standard bei einem stattgefundenen SHT gelten solle. Er betonte, dass nicht jede Abweichung vom Normalbefund einen Krankheitswert hat. Außerdem erläuterte er, dass Schmerzen und radiologische Bilder sehr häufig nicht miteinander korrelieren. Die Anwendung höherer Feldstärken sei bislang ohne wissenschaftliche Evidenz.

 

Das Tagungsprogramm setzte sich fort mit einer spannenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Herrn Prof. Dr .Dr. Widder aus Günzburg zu dem am Freitag vorgestellten BG-Fall. - Zum Ende der Tagung kamen die Teilnehmer in der Frage, wie sie in dem vorgestellten BG-Fall entscheiden würden, zu einer sehr homogenen Einschätzung der MdE.

 

Mit Spannung erwartet worden war auch der Vortrag des Vorsitzenden Richters (und auch Mediziners) Herrn Dr. H. Tintner vom Landessozialgericht NRW in Essen über Gewalt gegenüber Gutachtern. Er traf die juristische Einordnung der Körperverletzung, der verbalen Gewalt als Nötigung, Bedrohung, Beleidigung, der Nachstellung im Sinne von Stalking und Cybermobbing und beschäftigte sich mit der Verletzung von Persönlichkeitsrechten bei einschlägien Vorfällen im Internet. Er ermunterte, keineswegs Verhaltensweisen mit eindeutig strafrechtlicher Relevanz auszuhalten, auch keine Bedrohungen und Nachstellungen, auch wenn gesetzliche Vorschriften zum Schutz von Gutachtern leider nicht existieren.

Herr Dr.Görge, Neurochirurg aus Koblenz, referierte über die neurochirurgischen operativen Therapieformen in der Schmerzbehandlung:  z.B. mikrovasculäre Dekompression nach Jannetta, Neurolyse bei peripheren Nervenkompressionssyndromen, Thermokoagulation des Ggl.Gasseri, Stimulationsoperationen als Neuromodulation, Implantation von SZ-Pumpen zur intrathekalen Therapie, stabilisierende Operationen an der Wirbelsäule. Sein Credo:  Klare Indikation stellen und die optimale Methode auswählen. Weniger ist mehr!

Hohe Relevanz für die eigene gutachterliche Tätigkeit, spannende Vorträge und trotz des digitalen Formates eine hervorragend gelungene Jahrestagung, so das übereinstimmende Fazit der Teilnehmer sowie des Vorsitzenden der DGNB  Prof. Zumkeller am Samstagnachmittag.

Die nächste Jahrestagung der DGNB wird voraussichtlich am 6./7. 2022 stattfinden im Alten Rathaus in Hannover.

 

 

Vignetten der Jahrestagung 2021

Die Vorträge von Herrn Prof. Maercker, Herrn Prof. Dreßing und Herrn Dr. Tolzin haben sich detailliert mit den Kriterien einer PTBS beschäftigt, v.a. mit den Änderungen im ICD 11. Eine exakte Unfallbeschreibung und Exploration biographischer Parameter bezogen auch auf die Unfallverarbeitung ist dringend geboten. Wichtig: der Ausschluss einer konkurrierenden psychischen Erkrankung:  Mit ausreichend Zeit zur Exploration und Unvoreingenommenheit dem Probanden gegenüber sowie exakter Erhebung des psychopathologischen Befundes.

Der Vortrag von Herrn Richter Dr. von Renesse relativierte die Relevanz testpsychologischer Diagnostik.

Auch im Hinblick auf den vorgestellten klinischen Fall erläuterte Prof. Forsting die besondere Bedeutung der SWI als Standard bei Schädel-Hirn-Traumata im MRT.

Und: Interdisziplinäre Kooperation in der Trauma-Ambulanz mit frühem Einbezug von Neurologen und Psychiatern – so die Forderung des Unfallchirurgen Dr. Scheele!

 

 

 

 

Veranstaltungen im Zeitalter von Corona

Corona-Update 10.6.2021

Corona wird uns wohl noch einige Monate beschäftigen. Neue Varianten bringen Unsicherheiten mit dem Risiko, den Impferfolg zu gefährden und uns zu zwingen, kurzfristig zu improvisieren.

 

Für die kommenden DGNB-Veranstaltungen ist der aktuelle Stand der Folgende:

Die Curriculare Fortbildung im Schloss Reisensburg in Günzburg am 1. – 3.7.2021 und die Kasseler Curriculare Fortbildung am 18. – 20.11.2021 werden als Hybrid-Veranstaltungen geplant.

Das Refresher-Seminar am 8./9.10.2021 soll möglichst wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden. Wir rechnen damit, dass sich bis dahin die Corona-Lage entspannt hat und alle Teilnehmer geimpft sein können.

Unsere Arbeitskreise (Berlin, Frankfurt, Hamburg) leben sehr von der Präsenz der Teilnehmer und den informellen Gesprächen am Rande der Veranstaltungen. Dies ist in Zeiten von Corona derzeit leider nicht möglich. Aber auch hier sehen wir einen Silberstreif am Horizont.

Aktuelle Informationen und die Programme der nächsten Veranstaltungen als PDF finden Sie auf unserer Homepage im Menu "Veranstaltungen".

Herzliche Grüße an alle! Wir freuen uns, Sie bald wieder persönlich wieder zu sehen und nicht nur am Monitor.

(Grafik aus wikipedia)

Über uns

Die Deutsche Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung e. V. (DGNB) ist die größte deutschsprachige Gutachter-Vereinigung mit interdisziplinärem Bezug auf die Fächer Neurochirurgie, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Die Gesellschaft hat derzeit 700 Mitglieder, rund 200 davon sind zertifizierte Gutachter der DGNB.

Sie verbindet Gutachter, die auf der einen Seite nach Maßstäben der evidenzbasierten Wissenschaft begutachten. Auf der anderen Seite unterwirft sie sich den juristischen Beweisregeln, die der Gesetzgeber vorgibt.

Um dies zu gewährleisten, ist die DGNB frei von wirtschaftlichen Eigeninteressen und ohne wirtschaftliche Interessenkonflikte.

Neben der Erstellung von Gutachten nach wissenschaftlichen Kriterien fühlt sich die DGNB der Qualität von Aus-, Fort- und Weiterbildung verpflichtet. Die DGNB arbeitet aktiv in Gremien für Erstellung und Aktualisierung von wissenschaftlichen evidenzbasierten Leitlinien zur Begutachtung. Protagonisten der DGNB sind bislang an allen Leitlinien, die sich mit neurowissenschaftlichen Themen befassen, aktiv beteiligt.

Curricula der Gutachterausbildung, nicht nur für neurowissenschaftliche Gutachter, sondern auch für die medizinische Gutachterausbildung insgesamt, entstammen maßgeblich von Vorgaben, die erstmals von der DGNB erarbeitet wurden.

Als neueste Aufgabe hat sich die DGNB die Förderung Gutachten-spezifischer Forschung vorgenommen, indem sie 2020 erstmals einen Forschungsförderpreis ausschreibt.

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