Nachruf auf Professor Dr. Suchenwirth

 

Am 14.07.2021 verstarb im Alter von 93 Jahren Prof. Dr.med. Richard M.A. Suchenwirth, seit 2003 Ehrenmitglied der DGNB.             

 

Geboren in Wien, kam er in den 1930er Jahren mit seiner Familie nach München, wo er das Gymnasium besuchte und in der letzten Kriegszeit noch Luftwaffenhelfer war. Nach Medizinstudium und Facharztweiterbildung war er als Oberarzt an den Nervenkliniken in Lübeck und Erlangen tätig, 1965 habilitierte er sich für die Fachgebiete Neurologie und Psychiatrie. 1970 wurde er zum Chefarzt der damals neu gegründeten Neurologischen Klinik am Städtischen Klinikum Kassel berufen. Diese baute er in den folgenden Jahren erfolgreich auf und war auch als Pionier der seinerzeit noch kaum beachteten neurologischen Intensivmedizin aktiv. Besonders am Herzen lag ihm dabei die Ausbildung jüngerer Fachkollegen – sein Taschenbuch zur neurologischen Untersuchung erschien zuletzt 2014 in der 5. Auflage.

 

Das Interesse an der neurologischen Begutachtung entwickelte sich bei ihm bereits früh und 1977 erschien in seiner Herausgeberschaft die erste Auflage des Buchs Neurologische Begutachtung, das über mehrere Auflagen hinweg über viele Jahre zu den gutachtlichen Standardwerken zählte. Entsprechend lag auch nahe, dass er dieses Thema vertiefte, als er 1981 nach Querelen mit der Geschäftsführung die Klinik verließ und zusammen mit dem leider sehr früh verstorbenen Orthopäden Dr. Frank Schröter in Kassel ein interdisziplinäres Gutachteninstitut gründete. 1988 zog es ihn in seine alte Heimat zurück, wo er bis zu seinem Tod in Herrsching am Ammersee lebte und arbeitete.

 

Nach Gründung einer Gutachterkommission durch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) wurde Prof. Suchenwirth deren Vorsitzender. In dieser Eigenschaft organisierte er bei den Jahrestagungen der DGN Gutachterkurse und veranstaltete in den 1990er Jahren mehrere Tagungen zu bedeutsamen Themen der Begutachtung, die zu richtungweisenden Monographien führten – so zur Begutachtung hirnorganischer Schäden, zur gutachtlichen Qualitätssicherung und zur Beschwerdenvalidierung.

 

Im Hinblick auf die Verbesserung der Qualität in der neurologischen Begutachtung engagierte er sich über viele Jahre hinweg innerhalb der DGN für die Gründung einer eigenständigen Gutachter-Arbeitsgemeinschaft, die – als Vorläuferin der heutigen DGNB – schließlich 1997 bei einer Veranstaltung in Göttingen beschlossen wurde. Die damals entworfene Satzung hat sich in ihren wesentlichen Zielen bis heute bei der DGNB erhalten.

 

Die DGNB wird Prof. Suchenwirth, der bis vor wenigen Jahren noch regelmäßig an den DGNB-Tagungen aktiv teilnahm, als wesentlichen Wegbereiter einer wissenschaftlich und auf Qualitätsstandards basierenden Begutachtung in der Neurologie in Erinnerung behalten.

 

B. Widder, Günzbur